Die Augen schließen, bewusst einatmen, einen Moment innehalten und ausatmen. Ganz ruhig arbeitet man sich bei der progressiven Muskelentspannung den Körper entlang: erst die rechte Hand (bei Linkshändern die linke) anspannen und lockerlassen, dann den Unterarm, den Oberarm und so weiter bis zu den Füßen. „Durch den Wechsel zwischen An- und Entspannung sinkt die Muskelspannung. Man wird ruhig, stressbedingte Beschwerden klingen ab“, erklärt Dr. med. Dietmar Ohm, Psychotherapeut und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren aus Lübeck. Die Methode geht zurück auf den amerikanischen Arzt Dr. E. Jacobson, der sie in den 1920er-Jahren entwickelte. Heute gilt sie als die am besten belegte Entspannungsmethode. „Auch Kinder können diese Technik schon erlernen“, sagt Ohm. Für sie eignen sich Übungen, die in eine Geschichte integriert sind und so zum Mitmachen motivieren.
Auch beim Yoga werden Muskeln bewusst angespannt und wieder lockergelassen. „Ursprünglich ist Yoga eine besondere spirituelle Lebensform. Es wurde nicht als Heilmittel entwickelt, kann aber sehr heilsam sein“, sagt Dr. Anna Paul, Yoga-Lehrerin und Leiterin der Mind/Body Medicine in der Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte. Heute stehen Körperhaltungen und Atemübungen im Vordergrund. Durch die typischen Dreh-, Dehn- und Beugehaltungen – Asanas genannt – lenkt Yoga die Aufmerksamkeit auf die im Körper ablaufenden Prozesse und macht sie bewusst. Muskeln und innere Organe werden besser durchblutet. „Der Körper wird gestärkt. Man hilft ihm, sich selbst zu regulieren und zu entspannen“, sagt Paul. Es gibt viele Yoga-Richtungen und auch Kurse speziell für Kinder, Meditation können sie meist erst ab zehn Jahren lernen.
Dr. Anna Paul leitet die Mind/Body Medicine in der Abteilung Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte
Ist die Wirkung bewiesen?
Die progressive Muskelrelaxation ist gut erforscht. Es gilt als bewiesen, dass sie körperliche Verspannungen lösen kann. „Das Verfahren erzielt unter anderem gute Ergebnisse bei Kopfschmerzen und Reizdarmbeschwerden“, sagt Ohm. In Studien zeigten sich positive Effekte beispielsweise bei Asthma, Angstneurosen und Bluthochdruck.
Zu Yoga gibt es etliche Untersuchungen. „Die Wirkung ist wissenschaftlich belegt“, so Paul. Yoga lindert Rücken- und Nackenschmerzen. Auch bei Stress, Bluthochdruck, Übergewicht, Depression kann die Methode unterstützen. Studien mit Kindern haben gezeigt, dass Yoga Haltungsschäden vorbeugen sowie das Selbstbewusstsein und die Konzentrationsfähigkeit steigern kann.
Dr. Dietmar Ohm, Psychologe und Psychotherapeut, ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren
Welche Krankheiten kann man behandeln?
Die progressive Muskelrelaxation eignet sich zur Vorbeugung, aber auch zur Therapie. Es werden vor allem durch Stress ausgelöste Krankheiten behandelt wie Kopf- und Rückenschmerzen, Magen-Darm- und Schlaf-Probleme. Bei Kindern und Jugendlichen werden vorwiegend Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sowie Spannungskopfschmerzen therapiert.
Die Übungen werden zunächst in der Gruppe erlernt und sollten dann regelmäßig zu Hause fortgeführt werden. „Am besten übt man täglich ein paar Minuten“, rät Experte Dietmar Ohm. Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte bieten Kurse zur Muskelentspannung an. „Achten Sie darauf, dass der Kursleiter auf die Behandlung von Kindern spezialisiert ist“, sagt der Psychologe. Weiterführende Informationen und Kontakte finden Sie ganz unten im Kasten.
Yoga wird vorwiegend als Präventionsmaßnahme eingesetzt oder ergänzend zu einer anderen Therapie. Es steigert die Konzentrationsfähigkeit, stärkt die Muskeln und die innere Haltung. „Vor allem Schmerzpatienten profitieren vom regelmäßigen Üben“, so Paul. Die Übungen werden so weit ausgeführt, wie es möglich ist. Bei Problemen mit der Wirbelsäule oder chronischen Schmerzen sollte man sich mit dem Lehrer absprechen. Yoga wird in verschiedenen Instituten und Fitnessstudios unterrichtet. Das Problem: Der Beruf Yoga-Lehrer ist rechtlich nicht geschützt, die Ausbildungsdauer liegt zwischen wenigen Wochen und zehn Jahren – entsprechend groß ist die Bandbreite der Qualität. Fragen Sie deshalb nach der Ausbildung des Lehrers, und nehmen Sie eine Probestunde. Weiterführende Informationen und Kontakte haben wir für Sie unten im Kasten zusammengestellt.
Die kleine Yoga-Praxis
Bewusst Atmen
Jede Übungseinheit beginnt mit einer Atemübung. Gehen Sie in den Lotus- oder Schneidersitz, legen Sie die Hände auf die Knie, richten Sie sich gerade auf, und schließen Sie die Augen. Atmen Sie ruhig ein und aus. Nehmen Sie ganz bewusst wahr, wie Ihr Atem fließt.
Das bringt’s: stärkt den inneren Fokus und die Konzentration, entspannt.
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Aktiv üben
Dann folgt der aktive Teil. Stellen Sie sich hüftbreit hin, legen Sie die Handflächen aneinander. Tief einatmen und die Arme nach oben strecken, mit beiden Beinen fest am Boden bleiben. Beim Ausatmen die Dehnung verstärken.
Das bringt’s: Herz-Kreislauf- und Atmungssystem werden angeregt. Ein echter Wachmacher.
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Ruhig werden
Um zur Ruhe zu kommen, schließen sich Dehnübungen an. Setzen Sie sich, das linke Bein ist gestreckt, das rechte angewinkelt. Heben Sie dieses Bein über das linke, und drehen Sie den Oberkörper nach rechts, der linke Ellenbogen liegt auf dem Knie. Halten Sie diese aufrechte Position für ein paar Atemzüge.
Das bringt’s: löst Verspannungen in Rücken und Nacken.
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Peggy Elfmann / Baby und Familie;
19.08.2011, aktualisiert am 19.08.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Jump/Kristiane Vey, istock/Skynesher
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