Aufgrund der neurobiologischen Ursachen des ADHS, mit anderen Worten der Hirnstoffwechselstörung, die ja nicht einfach verschwindet (vgl. Frage: „ADHS - Hyperaktive Kinder: anerkannte Ursachen?“ aus der „Sprechstunde Kinderkrankheiten – Kindergesundheit“, rechte Spalte) geht man zunehmend davon aus, dass viele betroffene Kinder auch als Jugendliche mit den Beschwerden durch das ADHS zu tun haben und dass die Symptome sogar häufig bis ins Erwachsenenalter hinein fortbestehen.
Menschen, die an ADHS leiden, haben außerdem ein erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens zusätzliche psychische Störungen zu entwickeln. Während bei Kindern vor allem Lernstörungen, Entwicklungsdefizite, Tics (wiederholte, kurze motorische Aktivitäten wie zum Beispiel Augenzwinkern, Grimassenschneiden, Schulterzucken oder „stimmliche“ Aktionen, etwa Räuspern oder Zungenschnalzen) und Störungen des Sozialverhaltens im Vordergrund stehen, können im Jugendalter Probleme mit Alkohol und Drogen dazukommen. Bei Erwachsenen entwickeln sich nicht selten Persönlichkeitsstörungen, Angsterkrankungen oder Depressionen. Unter Persönlichkeitsstörung versteht man, vereinfacht gesagt, abnorme Verhaltens- und Erlebensmuster, die das Beziehungs- und Sozialverhalten, das Miteinander im Privaten und Beruflichen, erheblich belasten und erschweren können.
Allerdings vermindert sich bei vielen Jugendlichen in der Pubertät die überschießende Motorik mit den unkontrollierten Bewegungsabläufen. Die Betroffenen lernen, mit der Beeinträchtigung umzugehen, ihr Leben zu ordnen, kurz: mit der Störung zu leben.
Dr. med. Christa Kappler,
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Dietrich Reinhardt,
ehem. Direktor des Dr. von Haunerschen Kinderspitals, Universität München
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19.11.2008, aktualisiert am 05.09.2011
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